Leben

Das Paradies von Cottbus

Kommission

Eine Jury reist 3500 Kilometer, um die besten Kleingärten zu küren. Es geht um viel mehr als schöne Beete.

Tag vier, Anlage acht. Für den Cottbuser Kleingartenverein Nowinka ist es Stunde null. Als Begrüßung haben sie kein bescheideneres Lied gewählt als „Conquest of Paradise“, die Hymne, mit der sich schon Henry Maske inszenierte. Der Vereinsvorsitzende nickt einer Vereinsfrau zu, die auf sein Kommando einen Fotoband herumreicht. Das Paradies von Cottbus, alles dokumentiert: Männer beim Bowlen, Frauen, die ein Spanferkel mit Fett bepinseln, Männer, die ein Stück Schwein in den Mund stecken.

Zweites Kopfnicken, die Vereinsfrau überreicht dem Kommissionsvorsitzenden Jürgen Sheldon einen Strauß aus Dillblume, Rhabarberblatt und Gartenkräutern, aus dem eine große Gurke herausragt. „Applaus für den Geehrten!“, ruft jemand in die Runde. Sheldon schaut verdutzt. Wofür er geehrt wird? Man weiß es nicht.

Angeführt von Sheldon, hat sich eine Jury aufgemacht, um die besten unter den dreißig Kleingartenanlagen zu finden, die es über Landeswettbewerbe in die Bundesauswahl geschafft haben. Das heißt dreizehn Tage zwischen Hecken, Himbeeren und Hobbygärtnern, 3500 Kilometer im Bus. Seit 1951 gibt es ihn schon, den Bundeswettbewerb der Kleingärten. Alle vier Jahre werden Medaillen in Bronze, Silber und Gold verteilt. Doch um Blumenrabatte und Heckenschnitt geht es nur am Rande.

Hamburg

Kurz vor acht. Punkt acht soll der Bus rollen. Thomas Wagner würde gern schon vorher losfahren. Der Zeitplan ist knapp, und er ist das Mädchen für alles. Doch von den sieben Kommissionsmitgliedern ist außer ihm erst der Vorsitzende Jürgen Sheldon da. „Ick bin echt uffjeregt“, sagt Wagner von der Rückbank und kneift beide Augen zu, als Zeichen, dass ein bisschen Spaß dabei ist. Er ist Wahlberliner. Mit dem orangeroten Vollbart sieht er aus wie ein Wikinger, seine Oberarme haben den Umfang von Oberschenkeln. Durch sein weißes T-Shirt überm trainierten Oberkörper scheint ein Blumentattoo. Seit zwölf Jahren macht der Gartenbauwissenschaftler Lobbyarbeit für die Kleingärtner, er ist Pressesprecher beim Bundesverband deutscher Gartenfreunde e.V.

„Ich bin bei dir“, sagt Sheldon, während er sich auf dem Doppelsitz vor Wagner einrichtet. Er leitet den Bundeswettbewerb zum fünften Mal. Er strahlt die Ruhe eines Kapitäns aus, der seine Mannschaft immer unversehrt zurück in den Hafen gebracht hat. Vor seiner Rente war er Technischer Leiter des Gartenbauamts in Bremerhaven.

Der Bus braust über die Norderelbe. In der Siedlung Neu-Allermöhe erzwingen Geschwindigkeitsblocker ein gemäßigtes Tempo. Die Straße wird zur Sackgasse, am Ende winkt ein Mensch in neongelber Sicherheitsweste den Bus zu sich heran: „Guten Morgen! Der Kleingartenverein Wühlmäuse begrüßt Sie herzlich!“

Im Vereinshaus stellt Sheldon die Jury vor: „Das ist Karin Freier vom Ministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Sie ist unser wichtigster Mann, ihr Ministerium finanziert den Wettbewerb.“ Der „wichtigste Mann“ lächelt verkniffen und sagt: „Das heißt jetzt Ministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.“ – „Wie soll man sich das merken, wenn ihr das jedes Jahr ändert?“, fährt Sheldon fort und legt sein spitzbübisches Lächeln auf. „Thomas Wagner kennen Sie alle, er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Pressesprecher der Gartenfreunde, meine rechte und linke Hand in Berlin. Daneben Gerlinde Krause, Dozentin für Landschaftsarchitektur an der Universität Erfurt.“ – „Professorin“, verbessert ihn seine rechte und linke Hand. „Fachhochschule Erfurt“, schiebt Krause hinterher. Der Rest der Vorstellungsrunde ist ungefähr richtig. Zwanzig Wühlmäuse klatschen.

Fünfzig Kriterien zu städtebaulichen, ökologischen, gartenkulturellen und sozialen Aspekten hat die Jury zu bewerten. Die meisten Punkte sind bei den sozialen Kriterien zu holen. Damit wollen die Veranstalter des Wettbewerbs, das Umweltministerium und der Bundesverband deutscher Gartenfreunde, das Leitbild „Soziale Stadt“ auf die Kleingartenvereine übertragen. Das bedeutet nichts Geringeres, als den sozialen Zusammenhalt und die Integration aller Bevölkerungsgruppen zu verbessern. Bei der Preisverleihung im November werden neun Goldmedaillen vergeben. Zu den Siegern werden viele der 15 000 deutschen Kleingartenvereine aufschauen und sich etwas abgucken – einen Tafelgarten vielleicht oder eine Kooperation mit dem Altersheim -, damit die Kommission in vier Jahren vielleicht auch zu ihnen kommt.

Sozial sein heißt gut erreichbar sein. Die S-Bahn braucht eine Viertelstunde vom Hauptbahnhof bis hierher. Der Verein liegt vis-à-vis einem Stadtteil mit Mietshäusern. „Ideal“, flüstert Wagner. Mit Frikadelle und Franzbrötchen geht die Jury auf Inspektion. Rhododendren säumen die Wege, Fleete begrenzen die Parzellen auf der Rückseite. Zäune gibt es nicht, die Anlage steht Tag und Nacht offen. Ein Radfahrer klingelt die Gruppe zur Seite. „Ist der Weg öffentlich?“, fragt Martin Rist – man hört, dass er aus Bayern kommt. Vor ein paar Jahren noch plante er Landesgartenschauen, heute ist er Geschäftsführer des bayrischen Landesverbands der Kleingärtner. Er mag Anlagen, die weitläufig sind und gut verzahnt mit der Stadt.

Für den Wühlmäusegeschmack ist der Weg allerdings ein bisschen zu öffentlich. Jeder, der aus der Stadt zum nahen Baggersee radelt, fährt hier durch. Manche lassen ihren Müll da, andere nehmen einen Kasten Bier mit, der ihnen nicht gehört. Die Jury nickt verständnisvoll und bekritzelt wieder ihre Bewertungsbögen. Trotzdem: Sozial ist, wenn viele Menschen profitieren. So liebevoll, wie Gartenfreunde ihre Parzellen gestalten, können sich Kommunen nicht um ihre Grünflächen kümmern. Die Kleingärtner kriegen Land für kleines Geld verpachtet, die Öffentlichkeit darf ihnen dafür in den Vorgarten schauen. Das ist der Deal. Bei den Wühlmäusen bleibt die Pracht meist hinter hohen Hecken verborgen. Punktabzug.

Am Ende des Rundgangs schaut Wagner auf seine Armbanduhr und rollt mit den Augen. Zwanzig Minuten über der Zeit. Bei jeder der Anlagen sind zwei Stunden für Präsentation, Imbiss und Besichtigung eingeplant. „Wir brauchen mehr Disziplin. Sonst müssen wir hart durchgreifen“, sagt er zu Sheldon. „Ich übernehm‘ das“, verspricht der Juryvorsitzende.

Nächstes Ziel: das 70 Kilometer entfernte Wilster in Schleswig- Holstein. Während sich der Bus durch den Stadtverkehr schiebt, füllen die Jurymitglieder ihre Bewertungstabellen aus. Werner Heinz streckt den rechten Arm in die Luft und wippt ihn auf und ab wie eine chinesische Glückskatze. Er hat sich die Schulter gebrochen und muss Gymnastik machen. Heinz hat Augenbrauen wie ein Uhu, sein graues Haar fällt ihm auf die Schulter. Bis er in Rente ging, hat der promovierte Urbanist für den Deutschen Städtetag gearbeitet. Aber „nur alt werden“ findet er zu wenig. Also forscht er weiter, wie sich das Leben in den Städten verändert und warum.

Wilster

In Wilster stellt der Vereinsvorsitzende alle dreißig Vereinsmitglieder einzeln vor. Wagner schaut nervös zu Sheldon. Der wollte doch übernehmen? Eine Stadtbibliothek ist das Einzige, was sich die holsteinische Viereinhalbtausend-Einwohner-Stadt noch leistet. Zu viele Menschen sind weggezogen, der Arbeit hinterher. Von ehemals hundert Parzellen haben die Kleingärtner ein Sechstel in breite Wege mit Bänken und einen Schmetterlingsgarten umgewandelt; ein weiteres Sechstel steht leer. Heinz hebt den Zeigefinger und erteilt sich das Wort: „Profitiert Wilster nicht von Hamburgs teuren Mieten?“ – „Nicht bei dem Spritpreis“, antwortet der Bürgermeister. Wäre Wilster an den Hamburger Verkehrsverbund angebunden, wäre es vielleicht anders.

Und so ist die Kleingartenanlage ein Paradies, das von innen heraus zerfällt. Vögel tirilieren, Hummeln summen, in gepflegter Wildheit stehen knorrige Apfel- und Quittenbäume, an den Parzellenrändern pralle Johannis- und Stachelbeersträucher, Himbeeren und Brombeeren. Und keiner, der sie erntet. Ein Paradies an der falschen Stelle ist heute nicht viel wert.

„Jetzt müssen wir aber los“, sagt Sheldon, „die nächste Gruppe wartet.“ Die Jurymitglieder tauschen irritierte Blicke aus. Auf dem Weg zum Bus sagt Wagner zu Sheldon: „Du hast geschummelt. Wir haben heute gar keine Besichtigung mehr.“ – „Doch, in ’ner Kneipe“, sagt Sheldon und grinst.

Berlin

Wenn die Kiefernwälder anfangen, ist man bald in Berlin. Die Kleingartenanlage Bachespe liegt zwischen Wohnhäusern und Teltowkanal im Stadtteil Köpenick. Viele Mietshäuser, aber Berlins grünster Stadtteil. Der Busfahrer hat noch nicht verstanden, dass Wagner mit „pünktlich“ nicht eine halbe Stunde zu früh meint. Wagner weist ihn an, in einer Seitengasse zu parken. „Wir warten“, informiert Wagner die Jury. Zwei Minuten später ruft Heinz in den Bus, dass der Verein sie schon empfangen könne, er habe das abgeklärt. „Sagt der jetzt, wo es langgeht, oder was?“, mosert Wagner. Auch Sheldon grummelt in seinen grauen Schnauzbart. Eigentlich begrüßt der Vorsitzende die Vereine immer als Erster.

Als der Rest der Jury eintrudelt, stehen Sheldon und Heinz in der Parzelle „Villa Moosmutzel“. Das Kinder-Gärtchen wirkt, als würde es zu einem Puppenhaus gehören. In einem niedrigen Hochbeet wachsen Erdbeeren, in einem anderen Kohlrabi und Bohnen. Vor einer Pinnwand aufgereiht: drei kleine Schubkarren und ein Dutzend Gießkannen, sortiert nach Grün, Gelb, Orange und Rot – wie die Farbfolge von reifenden Tomaten. Versunken stehen die beiden Jurymitglieder vor einer Holzwand, von der ihnen dreiunddreißig Kindergesichter entgegenlachen.

Am Anfang kam Kindergärtner Udo hierher, weil es Platz zum Toben gab. Seit der Kleingartenverein Bachespe den Minigärtnern eine eigene Parzelle gab, rücken sie mindestens dreimal die Woche an, um zu säen, zu jäten, zu ernten oder eine Wasserschlacht anzuzetteln. Das geht im Kindergarten um die Ecke nicht. „Dort kommt auf ein Kind die von Berlin geforderte Mindestgröße, sechs Quadratmeter Außenfläche. Ein Autoparkplatz verbraucht das Doppelte“, sagt der junge Kindergärtner.

Als der offizielle Teil vorbei ist, flitzen die kleinen Gartenfreunde wie freie Radikale um die Jurymitglieder. Während die Kommission die Anlage begutachtet, sitzen sie in einem Kirschbaum oder im Gras und lauschen einem Märchen, das eine Kleingärtnerin ihnen vorliest. Man sieht in den Gesichtern der Jurymitglieder, dass sie diesem Projekt die volle Punktzahl geben werden.

Roßwein

Ein Empfangskomitee der „Gartengruppe Weinberg Roßwein e.V.“ in weinroten T-Shirts steht winkend an der Straße, als der kleine Reisebus den Berg hochschnauft. Die Haut der Gärtner ist von der Sonne gegerbt.

Sieben Hände schütteln ein Dutzend Hände. „Ich kann Ihnen nur die linke geben, die rechte ist kaputt“, sagt Heinz. Der Kuchen ist mal wieder ausgezeichnet, aber langsam können die Jurymitglieder keinen mehr sehen. „Oh, eine Powerpoint-Präsi“, sagt Wagner anerkennend und lässt zwei Süßstofftabletten in seinen Kaffee plumpsen.

„Das Jahr 2010 war ein sehr erfolgreiches Jahr: Anschaffung der Vereinsfahne, Weihe der Vereinsfahne, Schul- und Heimatfest ,Säen mit Liebe, ernten mit Freude‘, schönste Kleingartenanlage im Landkreis Mittelsachsen“, liest der Vorsitzende ab. Plötzlich wiehert ein Pferd. Es kommt aus Sheldons Richtung. „Oh, mein Telefon“, sagt der Kommissionsvorsitzende. „Da geh‘ ich jetzt nicht dran.“

In einem der Gärten erntet eine Frau in Bikinioberteil und Hotpants Zucchini. Inges Haut ist faltig, in ihrem Unterkiefer fehlen ein paar Zähne, aber ansonsten blüht sie wie ihr eigener Garten. „Man fühlt sich so jung, wie man ist“, sagt sie. Sie ist Mitte siebzig. „Ich mach‘ meinen Garten, solange es geht. Aber es gibt keine Jugend mehr“, sagt sie. Gemüse ziehen ist ein Hobby geworden, keine Notwendigkeit mehr wie nach dem Krieg oder zu DDR-Zeiten. Asbestplatte für Asbestplatte trägt die Gartengruppe die aufgegebenen Lauben ab. In der untersten Reihe ist nur noch ein Pächter übrig. Er ist auch schon über siebzig. Inge sagt das ohne Wehmut, als wäre es müßig, sich am Ende des Sommers zu beklagen, dass die Blumen verblühen und die Blätter von den Bäumen fallen.

Nach Roßwein bleibt es still im Bus. Rist schaut aus dem Fenster. „Traurig, dass den Leuten die Mitglieder wegbrechen“, sagt er mehr zu sich selbst. Es ist Nachmittag, die Zeit, in der Wagner und Rist sich gewöhnlich auf der Rückbank Witze erzählen und über Youtube-Videos kichern wie Neuntklässler auf Skireise. So absurd es ist: Die Gartengruppe wird Punkte dafür bekommen, dass sie ihre Anlage zurückbaut. Sozial sein heißt auch, hinter sich aufzuräumen.

Altenburg

Ein Mann, Anfang dreißig, pinkfarbenes T-Shirt und kurze Hose, steht in seinem aufgeräumten Beet voller Radieschen, Erdbeeren und Paprika und zupft die Pflänzchen heraus, die seiner Meinung nach nicht hierher gehören. Im Nachbargarten erntet eine Frau mit Strohhut Johannisbeeren. Sie heißt Hildegard. Am Dienstag muss sie ins Krankenhaus für eine Krebsoperation. Es ist ihr 75. Geburtstag. „Kopf hängen lassen gilt nicht“, sagt sie, „ich kämpfe.“ Als sie das letzte Mal operiert wurde, hat der Nachbar ihr die Hecke geschnitten und die Kartoffeln ausgegraben.

Nicht alles, was sozial ist, steht im Kriterienkatalog.

Karlsruhe

In Karlsruhe soll sich die Jury im Kreis aufstellen, in die Ferne schauen, die Arme verschränken. So hat sich das die Reporterin vom ZDF-Mittagsmagazin ausgedacht. Nur Wagner befolgt die Anweisungen. In der Pose kommen seine Bizepse gut zur Geltung. Den anderen ist das mit den verschränkten Armen zu blöd.

„Die Journaille macht sowieso, was sie will. Wenn beim Drehtag einer im Feinripp mit ’ner Bierflasche vorbeiläuft, ist klar, was in den Beitrag kommt“, sagt Wagner hinterher. Vor allem von Privatsendern würden Kleingartenanlagen zum Fremdschämen auserkoren, glaubt er. Zielstrebig suchten sie nach dem Vereinsmeier, der über seinen Bierbauch hinweg den Rasen mit der Nagelschere trimmt. Klischees kommen immer gut an.

Wagners Strategie ist die Flucht nach vorn. Er will die Klischees zum Kult erheben und den Gartenzwerg als Maskottchen des Bundesverbandes etablieren. Aber so selbstironisch ist sein Verband dann doch nicht. In manchen Kolonien sammeln die Vorsitzenden sogar die Gartenzwerge ein, bevor das Fernsehen anrückt. Obwohl es ohnehin kaum noch welche gibt. Erdmännchen aus Ton sind die neuen Lieblinge.

Abends lädt der baden-württembergische Landesverband die Kommission in ein Restaurant ein. Eine Nettigkeit, die man nicht ausschlagen kann, selbst wenn es die siebte Nettigkeit in neun Tagen ist. „Das soll ja keine Bestechung sein, aber wir würden uns schon über Gold freuen“, witzelt der Vorsitzende. Die Jury lächelt milde. Ihre Mitglieder würden sich mal wieder über einen freien Abend freuen. Stattdessen: todmüde ins Bett fallen, am nächsten Morgen um halb acht Koffer packen, Autobahn, vormittags Thüringer Bratwurst, Kuchen zum Mittag, Schnitzel mit Pommes um halb fünf. Welcher Wochentag? Die wievielte Anlage? Wo waren wir gestern? „Noch viermal schlafen“, sagt Wagner.

Kassel

Wagner wischt auf seinem Smartphone rum und stöhnt. Ein Verein hat sich beschwert, dass im Gartenfreunde-Blog über den Bundeswettbewerb nur eines von vier sozialen Projekten erwähnt wird. Zum vorvorletzten Mal sagt der Präsident: „Ich bin Jürgen Sheldon und komme aus Bremerhaven. Meine Kollegen sagen: von der Packeisgrenze. Da sieht man schon mittags, wer nachmittags zu Besuch kommt.“ Die Kleingärtner lachen, die Jury schmunzelt. Sie können den Text ihres Vorsitzenden mitsprechen. Als Nächstes kommt: „Das ist Karin Freier vom – Achtung, ich habe das geübt – Bundesministerium für Umweltschutz, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.“ Jedes Mal verspannt sich Freiers Gesicht ein wenig, wenn es wieder so weit ist. Auch jetzt sagt er es nicht richtig. Immerhin behauptet er nicht mehr, sie wäre beim Ministerium für Reaktorsicherung.

Werden junge Familien bei der Vergabe von Parzellen bevorzugt? Spiegelt der Migrationsanteil im Verein den Anteil in der Stadt wider? Gibt es Migranten im Vorstand? Frauen? Brav beantworten Vereinsvorsitzende, Landesverbandsvorsitzende und Bürgermeister alle Fragen.

Nach einer Stunde der ersehnte Satz von Sheldon: „Dann wollen wir uns die Gärten aber auch mal ansehen.“

Erschienen in der F.A.S. (26. Oktober 2014)